Mein Freiwilligendienst in Nicaragua (Teil 2)


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Als ich starten wollte, über Somoto und meinen Freiwilligendienst zu schreiben, wurde mir klar, dass es gar nicht so einfach ist, alles in einen Text zu packen. Allein in den ersten zwei Wochen ist schon so viel passiert! Ich habe es trotzdem versucht und hoffe, dir hiermit einen kleinen Einblick geben zu können in mein Leben und meinen Freiwilligendienst in Nicaragua.

Nicaragua und seine Einwohner

Nicaragua ist ein Land mit etwa 6 Millionen Einwohnern, ein Sechstel davon lebt in der Hauptstadt Managua. Von Managua sind es 4 Stunden im Bus in die nördliche Kleinstadt Somoto. Dort sitze ich gerade und tippe diesen Text. Somoto selbst soll 15.000 Einwohner haben. Die Einwohner sind mir bisher alle offen begegnet und sind super hilfsbereit.

Ein Beispiel: Am zweiten Tag in Somoto mache ich mich auf den Weg ins Projekt nach La Playa. Eine der Projektleiterinnen hat mir den Weg am Tag zuvor erklärt. Ich laufe also morgens durch die Straßen und laufe direkt in die falsche Richtung, ohne es zu merken. Erst nach unzähligen Minuten kommt es mir seltsam vor und frage Menschen auf der Straße nach Hilfe.

Ohne GoogleMaps, ohne Smartphone, ohne digitale Hilfe – man glaubt es kaum – komme ich ans Ziel! Mit Hilfe der Menschen. Sie fragen, wohin du gehst, was du dort machst und erklären dir den Weg.

Die Bewohner auf den Corn Islands, die ich vor kurzem besucht habe, schienen mir im Gegensatz zum Festland nicht besonders freundlich.

ProNut – das Projekt

Die wichtigsten Details

  • 2 Projektleiterinnen: Lastenia & Francis (Sozialpädagogin)
  • 40 Kinder (zwischen 3-12 Jahre)
  • Ziel des Projekts: Verpflegung der Kinder mit einer warmen Mahlzeit am Tag
  • Ort: La Playa, Somoto, Madriz, Nicaragua

Projektablauf

Einen typischen Tagesablauf kannst du dir ungefähr wie folgt vorstellen:

  • 9 Uhr: Es geht mit dem Taxi oder Bus nach La Playa (15-30 Minuten). Die Mütter treffen zum Kochen ein. Der Boden wird gewischt und Tische werden aufgestellt.
  • 11 Uhr: Die Kinder treffen ein. Es wird gespielt, gelernt und gebastelt.
  • 12 Uhr: Es gibt Essen, das die Mütter vorbereitet haben. Danach wird weiter gespielt, gelernt oder gebastelt.

Die Uhrzeiten sind immer unterschiedlich und es wird nicht einer bestimmten Zeit gegessen und die Kinder kommen und gehen, wann es ihnen passt. Die ersten kommen meist schon um 10.30 Uhr und die letzten gegen 12 Uhr. Jeder Tag wird also spontan organisiert.

Wochenplan

Nach einer Woche habe ich mit Lastenia, der zweiten Projektleiterin, einen Plan ausgearbeitet für die kommenden Wochen.

  • Montag: Spiele
  • Dienstag: Hausaufgaben
  • Mittwoch: Malen/Basteln
  • Donnerstag: Englisch und versch. Gruppenarbeiten
  • Freitag: Bewertung der Woche/Stuhlkreis/Spiele

Meine Aufgaben im Freiwilligendienst

In den ersten Tagen war ich mir über meine Aufgaben nicht im Klaren. Mir wurde auf Nachfrage immer wieder grob erklärt, was zu tun ist, aber konkrete Aufgaben habe ich nicht erhalten. Also habe ich einfach losgelegt.

Die Küche gehört leider nicht zu meinem Arbeitsgebiet, obwohl ich gerne koche. Dort kochen die Mütter und Francis, die Projektleiterin. Ich kümmere mich um die 40 Kinder.

Die Anzahl der Kinder reicht auch absolut für mich. Es ist so, als hätte ich zwei Schulklassen für mich alleine. Und so fühlt es sich auch nach Projektschluss an!

Die Kleinen sind zuckersüß und sind mit ein paar Stiften zufrieden. Die Größeren allerdings wollen lernen, spielen und mich kennenlernen.

Es ist anstrengend, sich auf eine Gruppe zu konzentrieren und Gruppenarbeiten durchzuführen. Das Chaos ist also täglich vorprogrammiert. Es geht nicht zu wie in deutschen Schulen oder Einrichtungen. Es gibt kaum Regeln und die Kinder kommen und gehen, wann sie wollen. Daran musste ich mich schnell gewöhnen.

Auch musste ich mich daran gewöhnen, wie die Familien leben. Es ist nicht einfach zuzuschauen, wie die Frauen bei 32 Grad im Schatten am Brunnen arbeiten, um Wasser für die Küche zu ergattern. Durch die wöchentlichen Besuche in den Familien bekomme ich ein Bild davon, wie die Familien leben. Teilweise leben die Kinder mit einem Elternteil und weiteren Geschwistern in einem Raum.

Und trotzdem sind die Familien aufgeschlossen, laden dich zu sich nach Hause ein und bieten ihren Gästen frischen Kaffee.

Nach drei Wochen im Projekt ist schnell klar, dass ich hier genau richtig bin und die Kinder und Familien meine Hilfe schätzen.

Mehr Fotos findest du auf meiner Facebook Seite.

 

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