49 Tage in Stille


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Kannst du dir vorstellen, für zwei Monate niemandem in die Augen zu schauen – nicht einmal dir selbst? Kannst du dir vorstellen, zwei Monate lang mit niemandem zu sprechen? Kannst du dir vorstellen, dich zwei Monate lang nicht vom Fleck zu bewegen?

Der Ruf nach Alleinsein

Am 1. Februar ging es für mich in ein zweimonatiges Schweige-Retreat. Was sich für viele abschreckend anhört, war für mich ein inneres Bedürfnis. Denn als ich das erste Mal von diesem Retreat gehört habe, war für mein Herz eins klar: Das machen wir!

Mein Verstand ist Kreise gelaufen. Er hat nach einer Menge Ausreden gesucht. Doch im letzten Moment habe ich es gewagt und mich angemeldet. Für meinen Verstand war klar: „Gut, wir machen es. Aber die Warteliste ist lang. Das wird eh nichts!“

Kurze Zeit später kam die E-Mail mit der Bestätigung: Ich bin dabei! Ich werde für 49 Tage für mich alleine sein!

Keine Ausreden mehr

Für eine lange Zeit habe ich nach Ausreden gesucht und versucht, meinem Herzen ein Beinchen zu stellen.

Stell dir vor, du bist verliebt und willst diese Person über alles in deinem Leben haben. Du tust alles dafür, richtig? Doch gleichzeitig hast du Angst davor, enttäuscht zu werden. Genau dies kannst du dir auch für das Retreat vorstellen. Ich wollte es mit ganzem Herzen! Aber mein Verstand hatte eine Menge Angst.

Natürlich hat mein Verstand nicht aufgehört, mir Tricks zu spielen. So kamen immer wieder neue Ausreden auf – bis endlich Ruhe war.

49 Tage Stille

Das Ganze fand übrigens an der Pazifikküste Mexikos statt. Die ersten 10 Tage verbrachte ich in einem geführten Meditations-Retreat, das von dem Mediationscenter Hridaya Yoga geleitet wurde.

An Tag 10 wurde unsere Gruppe (wir waren insgesamt 14 Personen für das 49-Tage-Retreat) mit einem Mini-Van an einen abgelegenen Ort gefahren: einer traumhaften Küste!

Genau hier erwartete mich ein Hotelzimmer für die nächsten 39 Tage. Ein Zimmer, ein kilometerlanger weißer Strand und das Meer.

Ich erinnere mich, dass ich bereits nach zwei Tagen den Raum verlassen wollte. Doch ich entschied zu bleiben.

Yoga und Meditation

Du fragst dich, was ich den ganzen Tag über getan habe? Mein Tag began oft schon um 4 Uhr. An solchen Tagen setzte ich mich direkt zum Meditieren aufs Kissen und öffnete meine Augen erst zum Sonnenaufgang gegen 6.30 Uhr.

Ich habe festgestellt, dass ich morgens vor dem Sonnenaufgang besser meditieren kann. Dies liegt vor allem daran, dass ich noch nicht von so vielen Gedanken abgelenkt werde und der Verstand sich noch ein Stück im Schlafmodus befindet.

Der gesamte Tag bestand aus Meditation und Yoga.

Ein Mal in der Woche an den Strand

Ein Mal in der Woche ging ich an den Strand. Es war atemberaubend, die Wärme des Sands sowie das Wasser des Meeres unter meinen Fußsohlen zu spüren.

In der Regel war es ein Freitag, an dem ich am Strand entlang ging. Es war kaum eine Menschenseele unterwegs und ich hatte den gesamten Strand für mich alleine. Es war fast so, als sei ich alleine auf dieser Welt.

Genau in solchen Momenten kam mir der Gedanke: Du kreierst dir die Welt! Du hast in der Hand, wie du das Leben und die Welt siehst.

Es war für mich ein Moment der Freiheit.

Und genau dies habe ich aus den 49 Tagen mitgenommen: pure Freiheit!

Pure Freiheit

Was für viele schrecklich klingt, war für mich am Ende ein Gefühl von Freiheit. Ich habe entschlossen, mir einen Raum zum Freund zu machen und habe letzten Endes weit mehr gewonnen.

Ich habe die Freiheit gewonnen, mein Leben zu genießen und mich von den inneren Mauern zu befreien. Mauern, die uns so häufig im Weg stehen. Wände, die wir uns selbst errichten und uns nicht trauen, sie hinunterzureißen.

All diese Mauern und Wände existieren in dir – nicht außerhalb.

Du kannst tun und lassen, was du willst.

Denn: du bist frei! 

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