Wo ist mein Zuhause?


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Obwohl Panama nicht zu den Zielen gehörte, die ich mir vor meiner Reise gesetzt hatte, sitze ich gerade mittendrin. Ein Ort, versteckt zwischen der Kleinstadt Boquete und David, der zweitgrößten Stadt Panamas, sitze ich um 7 Uhr morgens an meinen Tasten, um dir diesen Text zu schreiben.

Die letzten 6 Tage habe ich am kältesten Ort Panamas verbracht – Boquete. Mein Hostel, in dem ich übernachtete, bestand aus einer eigenartigen Gruppe von Rentnern aus Amerika, Indien und Russland. Sie schienen sich auf der Suche nach einem neuen Zuhause zu befinden.

In der Hoffnung, dieses in Boquete zu finden, blieben viele von ihnen für einige Wochen oder sogar Monate. Ich blieb für 6 Tage. Und das hatte seinen Grund.

Wo ist mein Zuhause?

Es gibt bestimmte Orte auf dieser Welt, an dem wir uns wohler fühlen als an anderen Orten. Sicher kennst du das auch. Du kommst nach Hause und sobald du die Tür hinter dir verschlossen hast, kannst du sein wie du bist und machen, was du willst. Du bist schließlich zuhause.

Auf meinen Reisen kann ich das nur in einem bestimmten Rahmen. Ich schlafe in Schlafsälen („Dorms“) oder im Zelt. Im Zelt kann ich den Reißverschluss hinter mir zuziehen und so tun, als sei ich Zuhause. In einem Dorm geht das nicht. Dort teile ich mir mit anderen Personen ein Zimmer.

Doch wo ist eigentlich mein Zuhause? Sicherlich nicht in einem Zelt oder einem wildfremden Bett – oder doch?

Wenn man mich fragt, wo mein Zuhause ist, sage ich oft, in Deutschland. Gleichzeitig verstärkt sich in mir von Tag zu Tag das Gefühl, dass ich mich auch hier in Zentralamerika zuhause fühle. Und dann wird mir bewusst, dass ich mich nicht nur in Deutschland zuhause fühle. Ich fühle mich an vielen Orten zuhause. Bei meiner Familie in Deutschland, bei Freunden in Spanien und in Hostels in Panama oder Costa Rica.

„Also wo ist mein Zuhause?“, fragte ich mich in den letzten Wochen. Mein Aufenthalt in Boquete hat mir gezeigt, dass ich mich dort zuhause fühle, wo ich von freundlichen und inspirierenden Menschen umgegeben bin. Das Gefühl von Zuhause ist nicht allein abhängig vom Ort, sondern von den Menschen, die dich umgeben.

Die Gesellschaft von heute

Boquete ist ein idyllischer Ort in den Bergen, an dem man es sich gut lassen kann. Die Atmosphäre in Hostel und der Stadt selbst war jedoch merkwürdig. Ich möchte nicht sagen, dass ich mich nicht wohl fühlte – aber irgendetwas war nicht richtig.

Als ich nach 6 Tagen meine Sachen packte, um weiterzuziehen, freute ich mich unendlich, wieder auf der Straße zu sein und einen neuen Ort kennenzulernen. Ich war bereit, Boquete zu verlassen. Doch was war es nun, dass mir dieses seltsame Gefühl bescherte?

Vielleicht lag es an den Rentnern, die sich in der touristischen Stadt niederließen, aber stets unter sich blieben. Zum Einkaufen gingen sie zwar vor die Tür, doch der Kontakt zu den Einheimischen wurde kaum aufgebaut. Mein Gefühl kam also nicht von irgendwoher – es fehlte an Kommunikation!

Im Englischen wird das Wort „Gesellschaft“ mit „community“ übersetzt. Dieser Ausdruck steht nicht weit entfernt von dem Ausdruck „communication“ (Kommunikation). In meiner Welt gehören diese beiden Begriffe zusammen. Ohne Kommunikation kann es keine Gesellschaft geben. Das spiegelt sich auf allen Ebenen wider. Kann jemand also Wünsche, Zweifel und Fragen nicht ausdrücken, bleibt er für sich allein.

Wer kommuniziert, bringt die Voraussetzungen mit sich, eine Gesellschaft zu gründen. Die Rentner in Boquete haben noch einen langen Weg vor sich, wenn sie sich zu den Einheimischen gesellen wollen. Ein erster Schritt wäre es vielleicht, sich die spanische Sprache anzueignen, anstatt im kleinen Kreis über politische Themen zu diskutieren und Börsengänge zu verfolgen.

Mein Zuhause ist dort, wo ich mich wohl fühle

Jeder, der mich persönlich kennt und meinen Blog verfolgt, weiß, dass ich zu den unkomplizierten Menschen gehöre. Ein Freund von mir hat es mal so beschrieben: „Dich kann man irgendwo stehen lassen und kommt man nach einer Stunde zurück, hast du hundert neue Freunde gefunden“.

Ich suche mir also Orte, an denen ich zuhause sein kann. Dabei ist es mir egal, ob ich mich gerade in Deutschland, Nicaragua oder Panama befinde. Meiner Meinung nach kannst du jeden dir noch unbekannten Ort zu deinem neuen Zuhause machen.

Alles, was du braucht, sind nette Worte und der Austausch mit anderen. Fehlt dies, bleibt nur eins übrig: Weiterziehen.

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