Warum ich nicht mehr alleine reisen möchte


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Es ist etwas ruhig gewesen auf meinem Blog in den letzten Wochen. Das hat nicht nur einen Grund. Es kam alles unerwartet. Wie es nun mal im Leben so ist. Dafür bringt das Unerwartete immer etwas Gutes mit sich. Es dreht dein Leben in eine Richtung, aus der du es aus einem neuen Blickwinkel betrachten wirst, wenn du zurückschaust. Ich wollte mich ausruhen, vom meinem Leben in Deutschland Abstand nehmen und zu mir selbst finden. Dann fand ich etwas ganz anderes. 

Alleine reisen

Es macht mir Spaß, alleine zu reisen und neue Menschen kennenzulernen. Seitdem ich mein eigenes Geld verdiene, reise ich alleine, besuche Freunde in Spanien und verbringe die Wochen an Stränden und in der Natur.

Ich dachte, während meiner Zeit in Nicaragua würde ich nur dem Projekt mit den Kindern und meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen – dem Schreiben. Ich wollte die Zeit in Ruhe genießen, das Leben der Nicaraguaner kennenlernen und ein Teil von ihnen werden. Für mich stand fest, dass ich mich vom Partyleben fernhalten und mich nicht von den aktuellen Trends mitreißen lassen würde.

Vor meiner Abreise hatte ich mich darauf geeinigt (ja, mit mir selbst – das mache ich öfters), dass ich im Projekt arbeite und nebenbei alleine durch das Land reise. Ich wollte die Wochen fern von Menschenmassen und großen Touristenaktionen verbringen und das Land auf eigene Faust kennenlernen.

Ob im Bus, an der Haltestelle oder im Taxi. Nicaragua ist voll von verrückten, offenen und liebevollen Nicas (Ausdruck für Nicaraguaner) und Touristen, mit denen du schnell in Kontakt kommst. Aber auf eigene Faust? Was für ein Ausdruck! Er klingt negativ und das ist er auch. Ich balle meine Hände zu Fäusten, wenn ich angespannt oder wütend bin, aber nicht, wenn ich entspannt durch ein Land reisen möchte.

Zu zweit durch Nicaragua

Nur zwei Tage nach meiner Ankunft in Nicaragua war klar, dass ich meine Vorstellungen des Alleine-Reisens schnell über einen Haufen werden würde. Ich fand eine klasse Freundin, mit der ich quer durch Nicaragua bis auf die Corn Islands flog.

Es hätte nicht besser kommen können. Schon kurz nach unserem Kennenlernen hatten wir beide den Eindruck, das uns etwas verbindet – die Abenteuerlust. Wir zwei wollten reisen, das Land und die Leute kennenlernen und uns ab und zu wie Einheimische fühlen. Warum sollten wir es also nicht zusammen erleben?

Die Wochen, die wir auf Reise waren, kommen mir nicht wie nur drei Wochen vor. Durch die vielen Erlebnisse während dieser Tage wurden die Tage zu Wochen und die Wochen zu Monate. Es war spontan und wurde wenig geplant. Busticket, Übernachtung und Reiseziele – alles wurde kurzfristig gesucht.

Wenn ich jetzt alleine im Bus sitze, denke ich oft an die letzten Wochen und vielen schönen Momente, die ich mit meiner Freundin hatte. Vermutlich wären die Reisen weniger lustig gewesen, wenn ich eine Person an meiner Seite gehabt hätte, die wenig oder gar kein Spanisch versteht. Meine Freundin ist Spanierin. So konnten wir uns mit den Nicas unterhalten, uns an den Busbahnhöfen durchfragen und mit den Taxifahrern verhandeln (sehr wichtig hier!). Jeder Moment war einzigartig und wir hatten eine Menge Spaß.

Hätte ich die Reisen alleine unternommen, wären meine Gedanken verschlossen geblieben. Momente, die mir als spannend, lustig oder irreal erschienen, hätte ich für mich behalten müssen. Die Momente geraten schneller in Vergessenheit. An Tagen, an denen ich mich nicht mehr an diese Momente erinnere, werden sie mir durch Gespräche mit meiner Freundin oder Fotos hervorgerufen.

Auch wenn wir fast immer zusammen waren, habe ich während der Reise viel Zeit für mich gehabt und das Gefühl erhalten, zu mir selbst zu finden. Wir fanden Orte, die ich nicht verlassen wollte und Menschen, die mich zum Bleiben ansteckten. Und Momente, in denen ich mit meiner Freundin keine Übereinstimmung fand und ich einen Schritt zurück machte, brachten mir zu verstehen, dass ich genau in diesem Moment ein Stück zu mir selbst fand.

Vor der Abreise

Aus persönlicher Erfahrung würde ich niemals mit jemandem reisen, den ich nicht kenne oder mit dem ich aus verschiedenen Gründen nicht klarkomme. Bei meiner Freundin habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass es passen könnte. Zu 100% sicher war ich mir bis zur Abreise aber trotzdem nicht. Auf Reisen lernst du dich und die andere Person erst richtig kennen und es gibt auch manchmal kritische Momente.

Meine Freundin Mar und ich in Nicaragua

Meine Freundin Mar und ich in Nicaragua

Auf einer unserer Reisen standen wir am Busbahnhof plötzlich ohne Geld da. Das war das erste Mal, wo es brenzlig wurde. Wir suchten unter Zeitdruck die letzten Pesos zusammen und konnten uns damit die Bustickets kaufen. Es war früh morgens, wir hatten seit Stunden nichts gegessen und hatten eine vierstündige Busfahrt vor uns. Uns blieb weder Geld noch Zeit, um uns wie gewohnt etwas zu besorgen. Also rein in den Bus. Zum Glück gibt es hier in den Bussen immer wieder Menschen, die Sandwiches, Früchte und Getränke verkaufen. Einer der Jungs schenkte uns Wasser und eine Frau verkaufte uns ein Brot gegen einen Dollar, den meine Freundin noch aus der Tasche zauberte.

Um so eine Situation zu umgehen, klär‘ die wichtigsten Punkte im Vorfeld mit deinem Reisepartner. Hier ein paar Punkte, die dir helfen werden:

  • Budget – Wie viel Geld nimmt jeder von euch mit und was macht ihr im Notfall, wenn einer ohne Geld dasteht?
  • Reiseziele – Bestimmt das Reiseziel und besprecht, wie lange ihr an dem Ort bleiben wollt. Wollt ihr mehrere Orte besichtigen oder habt ihr ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen?
  • Interessen – Macht euch bewusst, dass ihr zwei nicht zu 100% die gleichen Interessen teilen werdet. Also klärt ab, ob der eine lieber ins Museum will und der andere an den Strand. Dann geht ihr halt mal getrennte Wege.
  • Hotel oder Hostel – Was ist dein Standard für die Unterkunft? Stimmt er mit dem deines Reisepartners überein?



Während der Reise

Macht euch während der Reise Notizen zu euren Ausgaben. Wer hat wie viel ausgegeben? Dies kann zu unangenehmen Gesprächen führen, wenn ihr es nicht festhaltet. Macht euch Notizen oder haltet die Kosten direkt in einer Liste fest!

Du wirst immer wieder zu einem Punkt kommen, wo du mit deinem Reisepartner nicht übereinstimmst. Mach einen Schritt zurück und betrachte die Situation aus Distanz.

Warum ich nicht mehr alleine reisen möchte – zumindest nicht auf Dauer

Die Reise mit meiner Freundin durch Nicaragua hat mir gezeigt, dass ich gerne mit jemandem meine Erlebnisse teile und nicht nur alleine reisen möchte. Das Alleine-Reisen macht mir Spaß und ich bevorzuge es vor dem Reisen mit einer Person, dessen Interessen ich nicht teile. Die Reise zu zweit macht die Reise reicher, auch wenn es manchmal zu Konflikte kommt. Es ist erlebnisreich, gemeinsam einen Weg zu gehen und den anderen wieder ziehen zu lassen. Das macht das Reisen aus.

Diese Wochen haben mir gezeigt, dass du dein Leben dauerhaft von nur einem Standpunkt aus betrachtest, wenn du dich nicht bewegst. Nimm die Beine in die Hand und begib dich auf die Reise deines Lebens. Ich bin alleine gestartet und habe nach kurzer Zeit neben einer guten Freundin eine Menge neuer Freunde gefunden. Ich habe zu mir selbst finden wollen und dabei eine Freundin fürs Leben gefunden.

Und was ich dann fand, erfährst du in meinem nächsten Beitrag.

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