Selbstfindung – wer bin ich?


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Ich betrete die Flughafenhalle. Es ist, als befände ich mich zwischen zwei Welten. Ein Leben zwischen Stille und Trubel. Ich befinde mich in Indien. Zwei Wochen im Dschungel sind vorüber, doch etwas bleibt. Die Stille. Für zwei Wochen habe ich geschwiegen. Die Stille hatte mich in den Dschungel gerufen. Aber warum? Warum zieht es mich immer wieder in die Stille? Ich bin auf der Suche nach dem Ich. Selbstfindung in der heutigen Sprache. Die Suche nach dem Selbst.

Wer bin ich?

Kaum bin ich wieder in Deutschland, werde ich mit einer Frage konfrontiert: „Bin ich egoistisch, weil ich auf der Suche nach dem Selbst bin?“ Die Antwort ist einfach, wenn sie vom Herzen kommt. Denn im Herzen ist nichts egoistisch. In einer Welt, in der es keine Polaritäten gibt, gibt es kein auf das Ego basiertes Handeln. Im Yoga wird vom selbstlosen Handeln gesprochen – Karma Yoga.

Doch schnell kommt der Verstand ins Spiel und mischt sich ein: All diese Schweige-Retreats, das Yoga und Meditieren – das machst du doch für dich. Also ist es egoistisch!

Der Verstand ist clever. Er will seine eigene Welt aufrechterhalten. Mit allen Mitteln versucht er an dem festzuhalten, was er kennt. Ein Leben, das ich für andere Menschen lebe? Niemals!

Was aber, wenn jede Yoga-Asana, jede Meditation und jeder Atemzug in meinen Lungen nicht für mich ist? Das Ego schreit laut los. Denn genau dies ist etwas, was das Ego definitiv nicht möchte. Es möchte leben, sich zeigen und etwas Einzigartiges kreieren und produzieren. Auf Selfies posieren, im Fitnessstudio vorm Spiegel stehen und mit den klügsten Worten Menschen imponieren.

Wenn das Ego schweigt

Was passiert in Momenten, in denen das Ego schweigt? Herzöffnung. Liebe. In einer Welt, in der wir materiellen Gütern mehr Wert schenken als der Liebe braucht es Menschen, die mit dem Herzen sehen. Dies wusste schon der kleine Prinz aus dem Buch von Antoine de Saint-Exupéry: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Lasst es uns dem kleinen Prinzen nachmachen und mit dem Herzen sehen, bevor wir mit den Augen sehen. Wie oft schreien wir laut los, wenn wir etwas sehen, dass uns nicht passt? Ein Auto, das sich vordrängelt, eine Person, die sich verändert hat, ein Kind, das in die Hosen gemacht hat. Ein zerbrochener Teller, ein verlorener Schlüssel, ein vergessener Termin. Alles Gelegenheiten, mit dem Herzen zu sehen. Nachsicht schenken in einer Zeit, in der wir keine Zeit mehr haben.

Wenn plötzlich alles stehen bleibt, es keinen Drang gibt etwas zu konsumieren oder zu kaufen, öffnet sich das Herz. Wenn das Herz geöffnet ist und die Liebe zum Leben da ist – genau in diesem Moment ist klar: Ich bleibe hier. Ein Gefühl von nach Hause kommen. Ich bleibe auf diesem Weg und lebe aus der Liebe zum Herzen heraus. Und dann ist auch das Ego still. Für einen Moment.

Es ist,

als würdest du

einem Neugeborenen

zum ersten Mal

in die Augen schauen.

Es ist, 

Als würde die Zeit

stehen bleiben.

Die Zeit,

die nur in unserem Verstand

existiert.

In der Liebe

gibt es

nur das Jetzt.

Diesen

Moment. 

 

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