Mehr Mitgefühl zeigen – Rachel Scotts Kettenreaktion


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Als ich vor einer Woche in einem meiner Lieblingscafés mit einer Freundin frühstücken war, entdeckte ich in der Bücherecke ein Buch, dessen Titel mich faszinierte: „Chain Reaktion“ (Kettenreaktion).

Es geht in dem Buch darum, wie wir im Alltag mehr Mitgefühl zeigen. Die Handlung dreht sich um die 17-jährige Rachel Scott, die am 20. April 1999 in der Colombine High School in Colorado bei einem Amoklaufs ums Leben kam.

Innerhalb von wenigen Tagen wurde das Buch von mir verschlungen. Rachels Vater hat es mit so viel Liebe geschrieben, dass ich es einfach eingeatmet habe. Ich möchte dir die wichtigsten Stellen aus dem Buch wiedergeben und dir zeigen, wie ein junges Mädchen die Welt verändert hat.

Chain Reaction – Kettenreaktion

Rachel und der junge Mann Eric Harris, der ihr Leben auf dem Gewissen hat, sprachen beide von einer Kettenreaktion. Eric nutzte dafür Gewalt und zerstörte damit das Leben von 13 jungen Menschen und ihren Familien an der Columbine High School.

Rachel hingegen entschied sich, einen anderen Weg zu gehen, um eine Kettenreaktion auszulösen. In einer ihrer Notizen spricht sie von ihrer Überzeugung, dass eine einzige Person mit etwas Mitgefühl für seine Mitmenschen dafür sorgen kann, dass eine Kettenreaktion von Freundlichkeit ausgelöst wird.

Es war Rachels Berufung, Menschen mit Freundlichkeit und Mitgefühl zu begegnen. Seit ihrem Tod reist Rachels Vater durchs ganze Land, um Menschen jeden Alters davon zu überzeugen, dass wir alle eine Revolution von Freundlichkeit und Mitgefühl starten kann und damit einen Unterschied in der heutigen Welt machen können.

Das Buch „Chain Reaction“ von Darrell Scott findest du hier.

Lebenskodex

In ihren „Code of Ethics“ (Verhaltenskodex) erläutert Rachel, warum jeder von uns einen Verhaltenskodex für sein Leben aufstellen sollte und wie es uns hilft, besser durch das Leben zu gehen.

Ich habe dir die wichtigsten Stellen aus Rachels Kodex aufgeschrieben.

Rachels Lebenskodex

„Die Moral ändert sich mit der Umwelt, mit den Umständen und der Kultur. In meinem eigenen Leben spielt die Moral eine große Rolle. Ich weiß nicht, woher diese Moral stammt. Vielleicht entstand sie durch die Art, wie ich aufgezogen wurde oder die Erfahrungen, die ich gemacht habe. Vielleicht ist es aber auch einfach nur mein Blick auf die Welt und wie die Dinge sein sollten.

Meine wichtigsten Punkte in der Moral sind die Ehrlichkeit, das Mitgefühl zeigen und das Ausschau halten nach dem besten und schönsten Dingen in jeder Person.“

Vertrauen

„Mir wurde schon oft gesagt, dass ich den Personen zu leicht vertrauen würde, aber ich habe herausgefunden, dass ich fast nie betrogen worden bin, wenn ich Vertrauen und Glauben in Menschen gelegt habe. Ich vertraue darauf, dass die Menschen das gleiche Vertrauen in mir haben. Vertrauen und Ehrlichkeit ist ein Investment, das du in jede Person stecken kannst.

Wenn du genügend Vertrauen in die Menschen legst und dich ehrlich gegenüber ihnen zeigst, werden sie das gleiche tun. Gerade wenn ich ehrlich und vertrauenswürdig bin, komme ich nicht kaltherzig rüber. Mitgefühl zeigen und ehrlich sein – beides kommt von ganz allein, wenn du genug davon in jeder Situation anwendest. Ich bewundere Menschen, die sowohl vertrauen als auch vertrauensvoll sind.“

Mitgefühl zeigen

„Mitgefühl ist die größte Form von Liebe, die Menschen in sich tragen. Meine Definition von Mitgefühl ist es zu vergeben, zu lieben, zu helfen, zu führen und Gnade zu zeigen für meine Mitmenschen.

Ich habe die folgende Theorie: Wenn eine Person dir Mitgefühl zeigt, wird dies eine Kettenreaktion auslösen. Wir wissen dabei nicht, wie weit diese kleine Portion Freundlichkeit ausreicht und wie viele Menschen sie erreichen wird.“

Wahrnehmung

„Vor kurzem habe ich gehört, dass der erste, zweite und dritte Eindruck entscheidend dafür sein kann, was für ein Typ Mensch jemand ist. Stelle dir zum Beispiel vor, du triffst jemanden drei Mal und sprichst mit ihm jedes Mal nur für wenige Minuten. Diese Person kann dir in diesen drei Gesprächen als unfreundlich, gemein, stur und ignorant vorkommen.

Du bildest dir also dein Urteil anhand dieser drei kurzen Treffen mit der Person. Stell dir mal diese Fragen: Hast du die Person nach seinen Zielen im Leben gefragt? Hast du gefragt, was er/sie in der Vergangenheit erlebt hat und ob er/sie geliebt oder verletzt wurde? Hast du nur sein äußeres Erscheinungsbild wahrgenommen oder auch hinter die Fassade geschaut?

Bevor du nicht mehr von dieser Person weißt, als nur den Typ Mensch, hast du nicht das Recht, diese Person zu meiden. Denn du hast nicht weit genug geschaut, um das Gute in dieser Person zu sehen. Du hast das Licht in seinen Augen nicht wahrgenommen. Du wirst immer ein Licht finden, und du kannst sogar dabei helfen, es größer werden zu lassen.“

Schneeballsystem

Rachels Leben hat mich an den Film „Das Glücksprinzip“ erinnert. In dem Film geht es um einen Sozialkunde Lehrer (gespielt von Kevin Spacey), der seinen Schülern die folgende Aufgabe gibt: Sie sollen sich etwas ausdenken, womit sie die Welt verbessern können. Schüler Trevor (gespielt von Haley J. Osment) hat eine ganz besondere Idee. Er möchte drei Menschen helfen, die wiederum drei weiteren Menschen helfen.

Das bedeutet, dass jeder Mensch drei weiteren Menschen etwas Gutes tut. Sie geben den Gefallen also nicht zurück, sondern zeigen ihre Dankbarkeit, indem sie anderen Menschen helfen. Die guten Taten verbreiten sich dadurch nach dem Schneeballsystem weiter.

Genau das war auch Rachels Gedanke. Sie bezeichnete das Weitergeben von Vertrauen, Gnade und Mitgefühl zeigen nur anders – als Kettenreaktion. Wie auch immer wir diesen positiven Kreislauf nennen, bin ich mir sicher, dass er viele Menschen erreicht.

Meine erste Kettenreaktion, die ich ausgelöst und wahrgenommen habe, war in diesem Jahr. Mit dem Aufgeben von Wohnung, Job und Leben in Deutschland habe ich mich vor 6 Monaten auf die Reise nach Nicaragua gemacht.

Dort haben mich 40 Kinder für 3 Monate täglich begrüßt. Der Freiwilligendienst hat nicht nur viel Ruhe, sondern auch Liebe in mein Leben gebracht. Als die Zeit mit den Kindern zu Ende war, habe ich 40 Kinderherzen wieder mit nach Deutschland genommen. Das empfand ich als das größte Geschenk, das man mir hätte machen können. Doch was dann kam, konnte ich kaum glauben!

Vorab möchte ich sagen, dass ich mit keinem Dankeschön für meine Freiwilligenarbeit gerechnet habe. Als ich am Flughafen in Miami auf meinen Flieger nach Deutschland wartete, bestellte ich mir einen Smoothie. Während ich dem jungen Mann hinter dem Tresen meine Bestellung (einen kleinen Grünen Smoothie) wissen ließ, kramte ich schon nach meinem Geld. Doch Trevor, so wie der junge Mann hieß, winkte plötzlich ab und reichte mir den Kassenbeleg.

Was ich sah, war ein Betrag von 0,00 $! Ich konnte es nicht fassen und sah ihn mit großen Augen an. Trevor lächelte nur und verschwand im Raum nebenan. Das war das erste und letzte Mal, das ich Trevor sah. Sein Kollege reichte mir wenige Minuten später einen großen Smoothie – auf’s Haus!

Es mag sich vielleicht seltsam anhören, aber wer mich kennt, weiß genau, wie sehr ich Smoothies liebe! An diesem Tag hätte man mir kein größeres Geschenk machen können! Ich sah den Smoothie in meiner Hand als Dankeschön für meine Arbeit in Nicaragua und hinterließ Trevor ein Bild mit den Worten: „You made my day!“

Wie Du die Welt ändern kannst

Ich glaube genau wie Rachel daran, dass jeder von uns eine Kettenreaktion auslösen kann. Lasst uns aus unserer Komfortzone hinausgehen und Mitgefühl zeigen. Schon morgens auf dem Weg zur Arbeit oder in die Uni kannst du mit einem Lächeln oder einer kleinen Geste die Welt eines anderen Menschen ändern.

Mache deiner Kollegin ein Kompliment, wenn sie eine schöne Bluse trägt. Bedanke dich beim Kellner mit einem Lächeln, wenn du dein Mittagessen zahlst. Frage den Mann mit dem fragenden Blick auf der Straße, ob er Hilfe braucht. Du kannst Mitgefühl zeigen, wo immer du bist.

Setze dich für ein paar Minuten hin und schreibe die Dinge auf, die dir in deinem Leben wichtig sind. Lasse dabei Gegenstände außen vor und fokussiere dich darauf, welche Taten und Gedanken dir besonders wichtig sind. Vielleicht sind es auch Eigenschaften von Freunden, Kollegen und Bekannten, die du schätzt und dir gerne aneignen möchtest. Mit deinem eigenen Lebenskodex hast du nicht nur dein Leben, sondern auch das Leben anderer Menschen in der Hand.

In mir haben Rachels Worte meinen vor Jahren gesetzten Entschluss verstärkt, jedem Menschen mit einem Lächeln zu begegnen und insbesondere Kindern zu helfen. Mir liegt es am Herzen, jeden Tag so positiv zu leben, wie es möglich ist und mich von negativen Gedanken und Momenten nicht unterkriegen zu lassen.

Meine innere Stimme sagt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin und positiven Handlungen und Worten vielleicht nicht das Leben, aber den Tag eines Menschen positiv beeinflussen kann, in der Hoffnung, dass diese Person es weitergibt. Jeder von uns kann eine Kettenreaktion ausführen – auch du!

Das folgende Video stellt eine wunderbare Kettenreaktion dar. Schau es dir an!

 

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