Alles Ansichtssache – wie du dein Leben ändern kannst 2


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Zurück in Deutschland habe ich die letzten Monate Revue passieren lassen. Es hat sich viel in meinem Leben geändert, ohne dass ich großen Einfluss darauf nehmen konnte. Von einem dreimonatigen Freiwilligendienst im armen Nicaragua wieder zurück in das reiche europäische Leben. Man mag meinen, das sei ein Kulturschock. Ich kann dir sagen: es ist mehr! Es wird dein Leben ändern! Denn was ich beim Warten auf den Bus in dem armen Entwicklungsland gelernt habe und wie dies meine Ansicht ändern ließ im Hinblick auf viele Lebenssituationen, ist einmalig. Menschen und Momente haben mir in Nicaragua die Augen geöffnet und einen neuen Blick auf viele Dinge in meinem Leben gegeben.

Alles hat zwei Seiten

Wir beschweren uns zu häufig, obwohl es uns gut geht. Wir sind es gewohnt, uns zu beschweren. Denn wir leben in einer Gesellschaft, die sich beschwert. Was aber, wenn du und ich diese kleinen Fische sind, die mit einem Lächeln auf den Lippen gegen den Strom schwimmen? Wenn wir uns in Ärgermomenten einfach zurückhalten und uns darüber freuen, was wir haben. Würde uns dies das Leben nicht um einiges vereinfachen?

Die Zeit in Nicaragua hat mir vor allem für eins die Augen geöffnet: Alles hat zwei Seiten. Was ich damit sagen möchte ist, dass es darauf ankommt, wie du die Dinge siehst. Für mich ist das Busfahren in Nicaragua in den letzten Monaten ein großes Erlebnis gewesen. Denn der Bus kommt nicht zu einer bestimmten Zeit wie hier in Europa. Er kommt, wann er will – oder auch nicht. 😉 Für ein selbstbestimmtes Leben in Europa ist dies unvorstellbar. Doch es würde dem einen oder anderen vermutlich mal ganz gut tun, eine unbestimmte Zeit auf den Bus zu warten. Denn das Warten ermöglicht uns, mal mit einem anderen Blick auf die Dinge zu schauen.

Da wir gerade beim Busfahren sind, erzähle ich Dir, wie Du beim Zugfahren dein Leben ändern kannst. So kannst du eine Zugverspätung als positiv oder negativ betrachten. Du kannst dich darüber ärgern, dass der Zug nicht wie geplant ankommt und du zu spät nach Hause kommst. Du ärgerst dich bis du schwarz wirst. In solchen Ärgermomenten nimmt du all deine Energie (auch die positive!) und verwandelst diese in negative Energie um. Was am Ende bleibt, ist abgesehen vom Ärger nicht viel. Du versaust dir den schönen Abend und vielleicht auch den anderer.

Blickst du der Zugverspätung allerdings positiv entgegen, passiert etwas Wunderbares. Du hast zum Beispiel die Chance, dich noch etwas länger mit dir selbst zu beschäftigen. Wann machen wir das schon? Wir hetzen von einem Ort zum anderen und vergessen nicht nur andere, sondern auch uns selbst dabei. Während du gerade am Gleis warten musst, hast du die einmalige Gelegenheit, noch etwas mehr Zeit für dich zu haben. Vielleicht aber wolltest du auch schon längst eine alte Freundin anrufen? Dann tue es jetzt. Eine Zugverspätung ist für vieles eine gute Chance! Du musst sie nur nutzen. Schon allein durch diese Perspektive wirst du dein Leben ändern.

Du kannst dies auch in anderen Situationen im Leben beobachten. So kannst du eines Tages feststellen, dass dein geliebter Bäcker geschlossen hat. Seit Jahren gehst du täglich morgens dorthin und holst dir deinen Kaffee. Anstatt dich nach der Schließung darüber zu ärgern und zu trauern, dass du deinen Kaffee nun woanders besorgen musst, kannst du dies als Chance sehen. Vielleicht wolltest du ja schon immer mal den Kaffee beim Bäcker nebenan probieren und hast es aufgrund der Gewohnheit doch nicht getan. Jetzt ist die Chance!

 

Ein paar Übungen zum Leben ändern

Wir können uns beschweren und ärgern, solange wir wollen. Das raubt uns allerdings wertvolle Energie und bringt uns nicht weiter. Wir stecken häufig nur noch andere mit unserem negativen Ballast an. Ich finde, wir sollten das lassen und gelassener werden, um etwas in unserem Leben ändern zu können. Wenn du jetzt denkst, dass ich doch spinne, können dir die folgenden Übungen sicherlich helfen. Zumindest wirst du in stressigen und ärgerlichen Momenten ruhiger und gelassener reagieren. Außerdem wirst du automatisch noch viele weitere Momente finden, in denen du gelassener reagieren und in kleinen Schritten dein Leben ändern kannst.

  • Ich akzeptiere die Zugverspätung und mir ist bewusst, dass in anderen Ländern Menschen täglich auf ihren Bus warten und lange Fußwege zurücklegen müssen.

 

  • Ich beschwere mich nicht über das Verhalten von Freunden und Kollegen, sondern akzeptiere, dass sie anders handeln und reagieren als ich.

 

  • Ich freue mich darüber, dass ich eine gut bezahlte Arbeit habe, während andere Menschen keinen Job haben.

 

  • Ich bin stolz darauf, wie weit ich es bis heute gebracht habe und dass ich schon viele meiner Ziele erreicht habe. Ich ärgere mich nicht über gesetzte Ziele, die ich noch nicht erreicht habe.

 

  • Ich bin dankbar dafür, dass ich eine große Auswahl an Lebensmitteln habe, während andere Menschen täglich das gleiche essen müssen.

 

Überrasche dich selbst!

Zurück zum Zug. Ist dieser nun endlich in den Bahnhof eingefahren, kannst du dich entspannt in den Sitz zurückfallen lassen und deine Ruhe genießen. Doch was dann häufig passiert, hat vermutlich jeder von uns schon einmal erlebt. Es setzt sich jemand neben uns uns quatscht uns unaufhaltsam zu. Auch hier hast du zwei Möglichkeiten. Du kannst dich wegdrehen und so tun, als würdest du die Person nicht hören. Das wäre natürlich super unhöflich und die Person würde es innerhalb kurzer Zeit verstehen, dass du einem Gespräch aus dem Weg gehst.

Was ich beim Busfahren in Nicaragua gelernt habe, hat mich in vielen Momenten über mich selbst überrascht. Ich habe meine Tasche zur Seite genommen und Personen von vornherein einen Sitzplatz angeboten. Gut, ich gebe zu, dass dies in den meisten Fällen aufgrund des Platzmangels auch nicht anders möglich war. Ich saß also jedes Wochenende 8 Stunden neben einer fremden Person. Während ich bei einigen Busfahrten hoffte, nicht angesprochen zu werden, hoffte ich bei anderen Fahrten darauf, mit jemandem zu sprechen. Dies war ehrlich gesagt immer ganz abhängig von meiner Laune. Doch woher sollten die anderen Menschen das wissen? Schließlich konnten sie nicht in meinen Kopf schauen. Und genau aus dem Grund habe ich mich am Ende über jedes Gespräch gefreut, das ich mit den verschiedenen Personen führen durfte. Es ließ mein Leben ändern.

Wer gelernt hat, 

täglich auf einen Bus zu warten, 

der nicht kommt, 

weiß, 

was Geduld ist. 

Während du also jetzt am Gleis stehst und auf den nächsten verspäteten Zug wartest, weißt du, was zu tun ist. Du wirst außerdem eine Menge Menschen sehen, die sich über die Verspätung ärgern. Anstatt dich mit ihnen zu ärgern, freue dich darüber, dass der Zug gleicht kommt und noch etwas Zeit für dich hast. Lass dich nicht von ihren negativen Gefühlen anstecken. Du kannst dies als Chance sehen, positive Gefühle zum Vorschein zu bringen. Du wirst sehen, dass du nicht nur dir den Tag rettest. 🙂


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2 Gedanken zu “Alles Ansichtssache – wie du dein Leben ändern kannst

  • Ulle

    Liebe Anne,

    ich freue mich für dich das du Dinge bereits so betrachtest und die Chancen erkennst. Dem ist einfach nichts mehr hinzuzufügen.

    Habe dich vor kurzen per Zufall entdeckt, weil ich mich hier in Kambodscha nicht mehr so wirklich wohl fühle. Ich denke ich bin schon zu lange in Asien und würde gerne meinen Standort wechseln…mal sehen.

    Auf jeden Fall wünsche ich dir weiterhin eine spannende und lehrreiche Zeit in Nicaragua.

    Viva La Vida…der Ulle

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    • libylola Beitragsautor

      Lieber Ulle,
      danke für deine Worte! Sollte dich das Leben nach Nicaragua führen, melde dich gerne und ich gebe dir ein paar Tipps, wo es sich am besten aushält 😉
      Liebe Grüße & dir noch eine schöne Zeit in Asien!
      Anne

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